Nahaufnahme gelbe Schöllkrautblüte

Chelidonium und Homöopathie

Chelidonium majus
dt: Schöllkraut;   Familie: Mohngewächse (Papaveraceae)

Das im Mai voll erblühte leuchtend sonnengelbe Schöllkraut ist eine alte Heilpflanze, die auch in der Homöopathie eingesetzt wird.


Ein Charakteristikum der Pflanze ist der Austritt eines gelben Milchsaftes, wenn man man einen Stängel oder ein Blatt abbricht. Dann tritt der Saft aus und verfärbt sich nach kurzer Zeit an der Luft orange. An Händen und Kleidung hinterlässt er schlecht zu entfernende orangebraune Flecken, wie wohl jeder Gartenbesitzer weiß, der diesem Wildkraut mit den Händen zu Leibe rückt.

abgebrochenes Schöllkrautblatt mit austretendem gelbem Milchsaft.
Gelber Milchsaft am verletzten Schöllkrautblatt.

Es wächst gerne in der Nähe von Häusern, in Parks, an Zäunen und Wegrändern oder auf Schuttplätzen. Die Samen werden gerne von Ameisen verschleppt, sodass es sich sogar hoch oben in Mauerspalten findet, wo ich es in Koblenz an einer hohen Mauer der Festung Ehrenbreitstein entdeckt habe.

Schöllkraut an einer Mauer im Frühling.
Schöllkraut wächst aus einer Mauer an der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz.

In der Volksheilkunde wird das Schöllkraut als Tee getrunken oder in Alkohol als Tinktur angesetzt und traditionell bei Leber-, Gallenblasenbeschwerden angewendet. Es besitzt schmerzstillende, entzündungshemmende, krampflösende und die Gallensekretion anregende Eigenschaften. Auch bei bestimmten Augenleiden wurde es früher genutzt.

Heutzutage wird hauptsächlich der frische Milchsaft zur äußerlichen Anwendung bei Warzen empfohlen. Dafür muss der Saft über mehrere Tage auf die Warzen aufgetragen werden, am besten auf die vorher mit Wasser erweichte Haut, denn dann ist die Wirkung nach meiner Erfahrung besonders gut. Den Erfolg beschert das enthaltene Alkaloid Chelidonin, denn es hemmt das Zellwachstum.

Als Tee, Tinktur oder in Standardpräparaten darf es seit 2008 nur noch in kaum relevanten Mengen verordnet werden. Durch die enthaltenen Alkaloide gehört es zu den Giftpflanzen. Bei längerer Anwendung und der Einnahme einer Menge von mehr als 2,5 mg enthaltener Gesamtalkaloide tgl. kann es laut BfArM¹ zu Leberschädigungen, Magen-, Darmreizungen, Übelkeit und Erbrechen kommen.

Homöopathie und Chelidonium

Ab einer Potenz von D4 wird es in Apotheken ohne Rezept abgegeben, da ab dieser Stufe die Alkaloide in nicht mehr erwähnenswerter Menge enthalten sind.
Ab der Potenzstufe D12 oder C6 sind keine Inhaltsstoffe der Ausgangssubstanz mehr enthalten.

Es ist ein sogenanntes kleines Mittel in der Homöopathie, zu dem schon aus Hahnemanns Zeiten homöopathische Prüfungen vorliegen.
Zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur wird der Wurzelstock der Pflanze verwendet.
Die im folgenden genannten Erkrankungen und Symptome kommen durchaus auch bei anderen homöopathischen Arzneien vor. Die Entscheidung darüber, welches Arzneimittel zu einem Patienten und seinen Beschwerden passt, kann nur ein homöopathisch arbeitender Therapeut treffen.

Die Schwerpunkte der traditionellen Anwendung in der Homöopathie liegen im Leber-, Gallesystem und den Atemwegen:

  • akute oder chronische Leber-, und Gallenblasenbeschwerden mit krampfartigen stechenden Schmerzen in der Lebergegend, die durch Bewegung verschlechtert werden
  • ein Leitsymptom für das Mittel sind Schmerzen unterhalb des unteren rechten Schulterblattwinkels, auch eine Ausstrahlung der Schmerzen vom rechten Rippenrand zum Rücken, Nabel oder Bauch ist möglich
  • gelblich verfärbte Haut aufgrund von Leber-Galleerkrankungen und dadurch bedingter Juckreiz
  • Lebervergrößerung möglicherweise mit Druck- und Völlegefühl und Berührungsempfindlichkeit im rechten Oberbauch
  • Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, die teilweise durch Essen gebessert werden
Chelidonium, Blütenköpfe geschlossen,
Schöllkraut im Frühling. Die Blütenköpfe sind noch geschlossenen.
  • Gallenkolik, Gallensteine evtl. mit den entsprechenden Symptomen von krampfartigen, stechenden Schmerzen
  • sehr gelber bis dunkler Urin und heller Stuhl
  • die Zunge ist gelb belegt mit sichtbaren Zahneindrücken
  • der Mundgeschmack ist bitter, pappig
  • Magenschmerzen werden durch Essen gebessert, dabei besteht meist Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten in der Regulation der Gallensekretion während der Schwangerschaft
  • rechtsseitige Lungenentzündung, asthmatischer Husten, der sich bei jedem Wetterwechsel einstellt
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Abneigung gegen Anstrengungen und Arbeit. In der Naturheilkunde sagt man, dass Müdigkeit der Schmerz der Leber ist.
  • bei Lebererkrankungen tritt eine Verlangsamung des Geistes ein
  • wie oft bei Leberpatienten besteht eine Neigung zu trauriger Stimmung, aber auch Verzweiflung, Unruhe oder Reizbarkeit können auftreten
  • Allgemein ist die rechte Seite betroffen und die Beschwerden werden durch Bewegung, Druck oder Wetterwechsel verschlechtert. Besserungen entstehen durch Essen, warme Speisen und Getränke

Hinweis
Eine Einname des Arzneimittels sollte nur nach Rücksprache mit einem Therapeuten erfolgen.
Die o. g. Arzneimittelbeschreibungen sind nicht als Anleitung zur Selbstbehandlung zu verstehen, sondern dienen lediglich der Information.
Pflanzliche und homöopathische Arzneien können, ebenso wie jedes andere Medikament, bei unsachgemäßer Nutzung zu unerwünschten Arzneiwirkungen führen. Schöllkraut kann nach neueren Kenntnissen insbesondere bei unsachgemäßer, zu langer Einnahme und zu hoher Dosierung zu schweren Leberschäden führen. Dies gilt besonders bei vorbestehenden Leber-, Gallenblasenerkrankungen. Auch in der Schwangerschaft oder Stillzeit bestehen eventuell Einnahmebeschränkungen.

Quellen:
1) BfArM  = Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Boericke; homöopathische Mittel und ihre Wirkungen
Kent; gesamte homöopathische Arzneimittellehre
Fotos: Pia Mönch

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