Nahaufnahme mehrerer Schneeglöckchen in der Blüte von unten gegen den blauen Himmel

Das Schneeglöckchen in Homöopathie und Pflanzenheilkunde

Im März war es in den letzten Jahren in Berlin meist schon verblüht. Ich habe es oft im Februar gesehen, manchmal auch bereits im Januar, wenn z. B. mal Schnee lag.
In diesem Jahr hat die lange Frostphase im Februar es erst im März aus der Erde kommen lassen. Am 12. März habe ich schon eine Wildbiene auf Futtersuche in den Blüten herumsummen gesehen und im Berliner Park Hasenheide stand es inmitten von aufsprießenden Stängeln des Wunderlauchs, die es wie eine grüne Wiese umrahmten.

Gruppe von Schneeglöckchen im Parl im März 2018 umgeben von spießenden Halmen des Wunderlauchs
Schneeglöckchen Hasenheide Berlin März 2018 umgeben von sprießendem Wunderlauch

Als Heilpraktikerin für Pflanzenheilkunde und Homöopathie fragte ich mich, ob das Schneeglöckchen in Homöopathie und Pflanzenheilkunde eigentlich eine Rolle spielt, denn bisher habe ich es dort nicht kennengelernt.

Homöopathie

Also habe ich im „Boericke“ nachgeschaut, denn hier sind oft kleine homöopathische Arzneimittel beschrieben. Und tatsächlich habe ich es dort gefunden.
Auf lateinisch heißt Schneeglöckchen Galanthus nivalis.
Es bildet Zwiebeln, die im Erdboden überwintern und gehört zu den Narzissengewächsen (Amaryllidaceae).
Laut Boericke gab es eine homöopathische Prüfung durch Dr. A. Whiting aus Vancouver.
In dieser Prüfung wurden durch die Einnahme des potenzierten Schneeglöckchens  schwerpunktmäßig Symptome erzeugt, die sich auf das Herz bezogen:
Schwäche, Ohnmachtsgefühl, unregelmäßiger rascher Puls, heftiges Herzklopfen. Danach soll es bei Herzmuskelentzündung und leichter Mitralklappeninsuffizienz sinnvoll sein.
Außerdem erzeugte es in der Prüfung Halsschmerzen mit wundem Hals und dumpfem Kopfschmerz (1).

Pflanzenheilkunde

Alle Pflanzenteile des Schneeglöckchens sind giftig.  Der Alkaloidgehalt in der Zwiebel liegt bei 0,09%. Enthaltene Alkaloide sind unter anderem Galantamin und Lycorin oder auch Narcissin genannt (2).
In der älteren Pflanzenheilkunde Europas war es wohl von keiner Bedeutung, denn in den klassischen Heilkräuterbüchern ist es nicht erwähnt.
In neuerer Zeit soll ein russischer Pharmakaloge bei einem Vortrag erfahren haben, dass in den 1960ern ein Aufguss aus den Schneeglöckchenzwiebeln von kaukasischen Bäuerinnen bei an Kinderlähmung erkrankten Kindern erfolgreich eingesetzt worden sein soll (3).
Forschungen gingen in den 1950er Jahren von der ehemaligen UdSSR und Bulgarien aus und beschäftigten sich mit der Gegenwirkung von Galantamin zu dem Curaregift, das Lähmungen erzeugt.
Spätere Forschungen ergaben interessanterweise, dass Galantamin wirksam gegen die Alzheimer Demenz ist. In den 2000er Jahren wurde dann aus Galantamin das Medikament Reminyl gegen die Alzheimer Demenz hergestellt und zugelassen. Dieses wird heutzutage komplett synthetisch hergestellt, da aus der Natur nicht die benötigten Mengen hergestellt werden könnten (3).

Das ist doch eine interessante Geschichte zu einer kleinen Pflanze, die nicht nur mir in ihrem Heilspektrum unbekannt war, sondern auch von der klassischen mittelalterlichen bis neuzeitlichen Heilkräuterkunde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts unentdeckt blieb.

Pia Mönch im März 2018

Quellen
(1) W. Boericke, Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen, 5. Aufl. 1995,  Verl. Grundlagen und Praxis
(2) M. Daunderer, Giftpflanzen – Pflanzengifte, 4. Aufl. 1994
(3) Pharmazeutische Zeitung online, Mai 2005

Fotos ©Pia Mönch

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