Mit Beginn eines jeden Jahres geht es los, bei Kindern und Erwachsenen.
Bei den milden Temperaturen, die mittlerweile bei uns herrschen, treiben die Blüten von Birke, Erle und Haselnuss schon im Januar oder Februar aus. Das ist der Start für die jährliche Heuschnupfensaison, an der mittlerweile ca. 9 Millionen Menschen in Deutschland leiden.
In den letzten Jahren werden die Pollen aggressiver – was heißt das?
Durch steigende Temperaturen und Trockenheit kommen die Bäume in akuten Stress und bilden dann mehr Pollen, um ihren Fortbestand sozusagen über mehr Fortpflanzung vor dem Untergang zu schützen.
Damit steigt für Allergiker die Belastung. Und wer die jährlich wiederkehrende quälende Prozedur kennt, weiß wovon hier die Rede ist.

Allerdings ist nicht jeder „Heuschnupfler“ gleich stark betroffen. Manch einer hat nur eine geringe Symptomatik, viele Betroffene leiden aber ganz erheblich. Zusätzlich zur laufenden Nase und Niesen fühlt man sich energielos, unkonzentriert, und oft weiß man erstmal nicht so genau warum.
Wie erkenne ich, ob ich oder mein Kind Heuschnupfen haben?
Es juckt und kribbelt in der Nase, am Gaumen oder in den Augen, die auch rot und geschwollen sein können, brennen oder tränen.
Dazu kommen heftige Niesattacken und klarer Fließschnupfen mit dem Gefühl einer verstopften Nase. Man reibt an den Augen oder drückt verzweifelt mit der Zunge an den Gaumen, um den Juckreiz zu bekämpfen oder es tritt ein Jucken tief in den Ohren auf – das sind nur einige Symptome des Heuschnupfens. Manche Menschen leiden zusätzlich an einem dauernden Hustenreiz evtl. mit asthmatischer Atmung. Manchmal ist sogar der Schlaf durch häufiges Niesen oder Atemnot gestört.
Man spürt eine innere Hitze und Mattigkeit, ein dumpfes Gefühl im Kopf, fühlt sich „im Tunnel“ und hat Konzentrationsprobleme.
Viele Menschen sind dann auch schlapp und in ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Kurz gesagt: man fühlt sich, als ob man eine Erkältung hat.
Heuschnupfen oder eine Erkältung?
Erkältung und Heuschnupfen kann man leicht verwechseln. Sogar Menschen, die schon wissen, dass sie unter Heuschnupfen leiden, können oft nicht direkt sagen, ob es nun eine Heuschnupfenattacke ist oder ob sie sich eine Erkältung eingefangen haben.
Generell kann man sagen, dass bei einer Erkältung die Absonderungen aus der Nase zu Beginn meist klar und schleimig sind und später oft gelb/grünlich werden.
Beim Heuschnupfen sind die Absonderungen aus der Nase dauerhaft wässrig und klar. Die Augen jucken und tränen und kleben morgens evtl. zusammen. Einige spüren ein Jucken am Gaumen und drücken mit der Zunge dagegen, um den Juckreiz zu mildern. Hustenreiz oder sogar Atmenot können dazu kommen. Oft geht es den Betroffenen in geschlossenen Räumen besser.
Heuschnupfen ist eine Allergie
Das Immunsystem von Allergikern erkennt beim Heuschnupfen die Pollen von Bäumen, Sträuchern, Blumen, Gräsern oder Kräutern als eine Gefahr, stuft sie als feindlich ein und bekämpft die eigentlich harmlosen Eiweiße der Pollen. Die gesamte Immunabwehr wird gegen die eigentlich harmlosen Eindringlinge hochgefahren.

Die Körperabwehrzellen bekämpfen also diese Pollen so, als ob sie gefährlich für unseren Organismus wären. Es werden Antikörper gebildet und Mastzellen aktiviert. Diese geben z. B. Stoffe wie Histamin ab und rufen in der Folge Juckreiz, Schwellungen; Niesen, Absonderungen und manchmal auch Atemnot hervor.
Denn einige Menschen haben zusätzlich Asthma bronchiale, Neurodermitis, evtl. eine Nesselsucht (Urtikaria) oder sie entwickeln eine dieser Krankheiten im Laufe ihres Lebens.
Häufig sind diese Erkrankungen auch bei den Eltern, Großeltern oder Geschwistern zu finden.
Wogegen bin ich allergisch?
Der Beginn der Symptome kann hier oft schon einen Hinweis geben.
So blühen Haselnuss, Erle und Birke schon im Januar oder Februar, bis in den April hinein.
Gräser, Roggen, Beifuß, Ambrosioa und andere kommen im späten Frühjahr bis Sommer und in den Herbst dazu. Da sich heutzutage aber aufgrund der milden Winter die Blütezeiten oft verschieben, kann man sich daran nur mäßig orientieren.
Zur Orientierung gegen welche Pflanzen- oder Baumpollen man möglicherweise allergisch ist, sind örtliche Pollenflugkalender im Internet hilfreich, die sich ständig aktualisieren (s. u.).
Die schulmedizinische Diagnose des Heuschnupfens stellen Allergolog:innen (HNO). Sie bestimmen zusätzlich zu der geschilderten Symptomatik über die Blutuntersuchung die Antikörper im Blut. Meist werden zusätzlich über verschiedene Tests allergische Reaktionen auf der Haut provoziert. Erst dann kann man halbwegs gesichert sagen, gegen welche Pollen man zu diesem Zeitraum allergisch reagiert.
Bei kleineren Kindern kann mna diese Tests auch machen, die Ergebnisse sind aber nicht sehr sicher, denn Kinder bilden Ihr Immunsystem in den ersten Lebensjahren noch aus.
Zur homöopathischen Behandlung des Heuschnupfens bei Kindern gibt es übrigens eine interessante Studie, dieSie sich gerne einmal anschauen können:
Als Therapie werden meistens Antihistaminika verordnet. Sie helfen gegen Juckreiz und Schwellungen. Auch Kortikoide werden eingesetzt z. B. wenn Atemnot zum Heuschnupfen dazu kommt. Eine weitere Maßnahme sind Hyposensibilisierungen. Diese werden bei klar diagnostizierter Allergie gegen ein bestimmtes Allergen wie z. B. Birkenpollen empfohlen. Eine solche Therapieform dauert ca. zwei bis drei Jahre und ist recht zeitaufwändig.

Homöopathie bei Heuschnupfen
In meiner Praxis behandle ich seit 24 Jahren Kinder und Erwachsene mit Heuschnupfen und Atopien.
Die jeweiligen homöopathischen Arzneimittel wähle ich über die individuellen und spezifischen Symptome und Zeichen aus.
Eine Behandlung kann man in der allergen freien Zeit beginnen oder aber auch in der akuten Saison, wenn die Symptome sich direkt zeigen.
Zur Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung bei Kindern, die an Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis leiden, hat eine Studie festgestellt, dass eine homöopathische Behandlung bei 75,8% der Kinder eine moderate bis deutliche Besserung ihrer Symptome besonders bei Heuschnupfen oder Neurodermitis zeigte.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27473542/
Wie wird das individuelle homöopathische Mittel bestimmt?
Dazu müssen einige Fragen gestellt werden, die mir helfen aus mehreren Mitteln dasjenige zu finden, das auf die persönlichen Symptome des oder der Patient*in passt
Ist z. B. die Absonderung von Nase oder Augen wund machend, oder ist sie mild?
Oder brennen oder jucken Nase oder Augen?
Wodurch wird die Attacke ausgelöst? Evtl. durch den Duft von bestimmten Blumen? oder beim Rasenmähen? oder beim Aufenthalt auf einer Wiese?
Tritt es auch in geschlossenen Räumen auf?
Wichtig ist auch, was hilft bei den Beschwerden oder wodurch werden sie verschlechtert? Hilft z. B. kaltes oder warmes Wasser?
Ist man müde? gereizt? konzentrationsschwach? oder trauriger Stimmung wenn der Heuschnupfen da ist?
Wird man nachts oder früh morgens durch den Schnupfen oder das Niesen wach?
Wie ist der Schlaf?
Treten beim Heuschnupfen Kopfschmerzen auf?
Das sind nur einige wenige Beispiele unter vielen, die in der Homöopathie wichtig sind, um eine wirksame Arznei zu finden.
Ich bin dabei immer auf die Hilfe der Patient*innen angewiesen. Die eigenen Symptome gut zu kennen und schildern zu können ist sehr hilfreich, um das individuelle homöopathische Mittel zu finden.
Bei Kindern bin ich besonders auf die Eltern mit ihren genauen Beobachtungen und Beschreibungen angewiesen.
Homöopathie und akute Heuschnupfenmittel
Der Einsatz von homöopathischen Akutmitteln bei Heuschnupfen ist bewährt.
Ein gut passendes Mittel, das auf die akuten Sympotme verordnet wird, kann die Beschwerden meist gut lindern. Manchmal hilft dieses Akutmittel sogar jedes Jahr immer wieder, um die gleichen Beschwerden zu lindern.
In der Regel ist es aber so, dass nur eine konstitutionelle homöopathische Behandlung hilft die Beschwerden langfristig zu lindern (s. chronischer Heuschnupfen).
Bei den akuten Beschwerden des Heuschnupfens werden erfahrungsgemäß oft homöopathische Mittel wie z. B. Apis, Allium cepa, Gelsemium, Euphrasia, Sabadilla, Galphimia, Wyethia und viele andere je nach dem individuellen Symptomenbild eingesetzt.
Um eine Auswahl zwischen den verschiedenen Mitteln treffen zu können, kommt es oft auf kleine oder sogar belanglos wirkende Symptome an.
Daher empfehle ich immer eine Therapie durch erfahrene Behandler*innen.
Homöopathie bei chronischem Heuschnupfen
Es kommt aber auch vor, dass der Heuschnupfen in der nächsten Saison wieder auftritt und akut verordnete Mittel nicht so helfen, wie man sich das wünscht.
In solchen Fällen kann eine sogenannte konstitutionelle homöopathische Behandlung helfen.
Diese sollte am besten schon im Herbst oder Winter beginnen, wenn man noch keine Symptome hat. Hier sind außer den genauen Symptomen auch die derzeitige Lebenssituation, Stress oder andere belastende Faktoren oder die Wesensart des Menschen wichtig für die Mittelwahl.
Eine konstitutionelle homöopathische Behandlung ist auch begleitend zur ärztlichen Behandlung möglich.
Tipps – was kann man selbst tun?
vor dem Schlafen duschen und Haare waschen. Das spült die Pollen aus, so dass man sie nicht im Bett und auf dem Kopfkissen verteilt und weiter einatmet.
Kleidung beim nach Hause kommen ausziehen und nicht im Schlafzimmer lagern, vielleicht sogar direkt in den Wäschekorb legen.
Fenster meist geschlossen halten. In den Städten ist die Pollenkonzentration am Morgen am geringsten, dann kann man lüften. Auf dem Land ist es umgekehrt.
Pollenschutzgitter vor den Fenstern (mindestens vor dem Schlafzimmer) anbringen.
keine Pflanzen oder Tiere im Schlafzimmer.
Autofahrer sollten die Fenster schließen und die Pollenfilter der Lüftungsanlage einmal jährlich wechseln.
die Augen immer wieder z. B. mit feuchten Tüchern kühlen
Nasenspülungen mit einer Nasendusche oder Sprays auf Meersalzbasis helfen die Pollen auszuspülen.
Eincremen der Nase mit fetten Salben (z.B. Vaseline), die quasi die Schleimhaut ein wenig abdichten und damit das Eindringen der Pollen verhindern sollen.
Machen Sie Urlaub im Gebirge oder an Ost- oder Nordsee, dort ist die Luft pollenarm.
Pollenflugkalender
Hier finden Sie den aktuellen Pollenflug der acht allergologisch häufigsten Pollen im deutschen Wetterdienst (man muss sich ein bisschen durch das Menü klicken):
http://www.dwd.de/pollenflug
Für Berlin gibt es einen eigenen Pollenflugkalender
https://www.berlin.de/wetter/pollenflug
Hinweis
Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel nur der Information dient und dass eine Eigenbehandlung mit den in diesem Artikel genannten homöopathischen Medikamenten nicht vor erfolgter Diagnostik und nicht ohne Rücksprache mit erfahrenen Therapeut*Innen stattfinden sollte.
Um dem Heilmittelwerbegesetz Genüge zu tun, stelle ich hiermit klar, dass ich keine Heilungsversprechen abgebe und keine Garantie für den Erfolg einer homöopathischen Behandlung geben kann.
Fotos Birkenpollen, Gräserwiese: Pia Mönch
